Sind Banken vor Sharing Economy Plattformen sicher? Hat die Finanzbranche die richtigen Denkmuster oder bildet sie im Gegenteil den Nährboden für disruptive Angebote?

 

Sharing Economy Plattformen

Sharing Economy Plattformen sind Ausdruck der neuen technischen Möglichkeiten. Bekannte Beispiele sind Uber, Booking.com und Airbnb. Sie haben traditionelle Industriezweige überrumpelt und zum Umdenken gezwungen.

Die Plattformen brechen die Wertschöpfungskette der jeweiligen Branche auf und entkoppeln gewisse Tätigkeiten. Diese werden standardisiert und erfolgen effizient über eine einzige Plattform. Oft haben dabei die bestehenden Anbieter die Bedeutung dieser entkoppelten Tätigkeiten falsch eingeschätzt. (So braucht es für die Vermittlung von Taxis oder Mietwohnungen kein Kontaktcenter mehr.) Entsprechend fallen sie auch als Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb weg. Vielmehr werden diese Services zu Commodities. Bisherige Eintrittshürden, welche als Schutz vor Konkurrenz dienten, fallen überraschend weg.

Weiter ist interessant, dass dank dieser Plattformen neue Anbieter überhaupt erst in den Markt eintreten konnten. Das Angebot wurde vielfältiger und für den Endkunden attraktiver. Zwar wuchs mit dem neuen Angebot auch der Markt (so fahren beispielsweise heute wegen Uber mehr Leute Taxi). Den alteingesessenen Anbietern ist es jedoch bisher kaum gelungen, davon zu profitieren. Dazu kommt, dass Sharing Economy Plattformen wesentlich innovativer sind als traditionelle Anbieter. Sie entwickeln fortwährend zusätzliche Angebote, womit alte Branchenteilnehmer immer mehr den Anschluss zu verlieren drohen. Beeindruckend ist nicht zuletzt die enorme Geschwindigkeit, mit der sich diese Plattformen verbreiten.

 

Wie sieht es in der Bankbranche aus?

Die Wertschöpfungsketten in der Bankbranche werden aus verschiedensten Gründen nur zaghaft aufgebrochen. Standardisierungsversuche sind in der Vergangenheit häufig gescheitert (vgl. zuletzt die „Superbank“). Die meisten Tätigkeiten werden als zu wichtig erachtet, um sich davon zu trennen, d.h. diese outzusourcen. Die Angst vor einem Kontrollverlust wiegt zu hoch. Deshalb werden zahlreiche Tätigkeiten, welche kaum Möglichkeiten zur Differenzierung bieten, nach wie vor von jeder Bank selbst vorgenommen.

Auch besteht keine echte Angst vor neuen Anbietern. Die Einstiegshürden für diese werden als zu hoch angesehen. Das erforderliche Eigenkapital, die regulatorischen Hürden und das träge Kundenverhalten werden als guten Schutz angesehen. Nicht zuletzt scheinen die Negativzinsen den Markteintritt uninteressant zu machen.

Die Bankbranche gilt nicht gerade als besonders innovativer Wirtschaftssektor. Das war offensichtlich in der Vergangenheit kaum erforderlich. Aus Risikoüberlegungen stehen Gesetzgeber und Aufsichtsbehörde innovativen Lösungen kritisch gegenüber, was diese weiter erschwert.

Vergleichen wir nun die Situation mit der oben beschriebenen: es braucht nicht viel Fantasie um zu behaupten, dass die Bankbranche zurzeit den Nährboden für einen disruptiven neuen Player bietet.

 

Was Banken lernen können

Wir denken in der Finanzbranche in alten Mustern: wie in der Branche Geld verdient wird, wo und wie wir die Konkurrenz sehen und wie wir die künftigen Kundenbedürfnisse einschätzen. Das ist verständlich, aber gefährlich. Insbesondere wenn wir uns von den scheinbar gegebenen Rahmenbedingungen in diese Denkmuster pressen lassen. Und da bekanntlich nichts so sicher ist wie der Wandel, gilt es sich auf jeden Fall fit zu halten.

Folgende Lehren können m.E. gezogen werden, wollen Banken den möglichen neuartigen Herausforderungen trotzen:

  1. Die Strukturen sollten so anpassungsfähig und modular wie möglich sein, um schnell und einfach von neuen Situationen, Angeboten oder Techniken profitieren zu können.
  2. Das Profil des anvisierten Kunden muss für alle klar sein. Nur so kann rechtzeitig erkannt werden, welche neuen Technologien eine Gefahr darstellen könnten.
  3. Eine Kultur der Offenheit für Veränderungen bewirken! 1. Schritt: Schlagen Sie im Team irgendeine Änderung vor und analysieren Sie anschliessend gemeinsam die Reaktionen darauf.
  4. Unnötigen Ballast abwerfen! Denn eins können wir sicher sein: Die neue Konkurrenz wird ohne diesen gegen uns antreten.

 

Beginnen Sie mit dem Abwerfen des “Formalitäten Ballastes”. Finform nimmt Ihnen diesen gerne schnell und sicher ab.

René Oppliger, CEO Finform

 

René Oppliger ist Rechtsanwalt und seit
20 Jahren im Bereich Compliance tätig.
Heute leitet er das FinTech und RegTech
Unternehmen Finform.